Verqueres Deutschland: Wo herrschst Wohnungsnot, wo regiert der Überfluss?
Veröffentlicht am 28.11.2017 |  Kommentare

In vielen deutschen Großstädten herrscht so viel Wohnungsmangel wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig stehen auf dem Land viele Häuser und Wohnungen leer. Dieses verquere Bild hat sich in den letzten zehn Jahren zunehmend verschlimmert. Doch wie ist dieses Ungleichgewicht überhaupt zustande gekommen?

Wirft man einen Blick auf die Deutschlandkarte und studiert die Einwohnerzahlen der einzelnen Gegenden sowie die Dichte der Bebauung, fällt auf, dass in Deutschland nicht grundsätzlich falsch gebaut wird – jedoch an den falschen Stellen. Insgesamt wurden in Deutschland seit 2011 rund 27.000 Wohnungen zu wenig gebaut. Wie das IW Köln nun in einer Studie ermittelt hat, sind 203.179 Wohnungen in Deutschland zwischen 2011 und 2015 neu entstanden – allerdings hätten es 230.553 Wohnungen sein müssen, um den Bedarf zu decken. Dieser Unterschied von gerade einmal zwölf Prozent wäre verschmerzbar, gäbe es nicht so ein starkes Ungleichgewicht in Deutschland.

Bauträger und Unternehmen investieren deshalb lieber dort, wo es billig ist, und meiden die Orte, an denen ein neues Haus sie ein kleines Vermögen kosten würde. Die Konsequenz: In Kleinstädten und ländlichen Kreisen sind weitaus mehr Wohnungen entstanden als dort benötigt werden – umgekehrt müssen in Großstädten immer mehr Menschen in Wohngemeinschaften zusammenrücken, weil es an Häusern mangelt. Oftmals werden in ländlichen Kreisen rund 17 Prozent mehr Häuser und Wohnungen gebaut, als dort überhaupt benötigt werden. Umgekehrt können aber in Großstädten ab 100.000 Einwohnern nur 54 Prozent des Bedarfs an Neubau-Wohnungen überhaupt gedeckt werden.

Die Folge: Dank steigender Nachfrage bei nicht stark genug steigendem Angebot, explodieren die Mieten in den Großstädten, während die Preise auf dem Land weiter fallen. In den Großstädten setzen die Großkonzerne daher auf Aufstockung und Nachverdichtung: Bestehende Häuser bekommen eine zusätzliche Etage oder in bisher geräumige Innenhöfe wird einfach ein weiteres, neues Haus gesetzt. Das fördert beides nicht unbedingt den Wohnkomfort, ermöglicht aber zumindest mehr Wohnungen. Der Bedarf an neuen Wohnungen ist somit allerdings lange noch nicht gedeckt.

Doch was muss in der Zukunft geschehen, um dem verqueren Wohnungsbild in Deutschland entgegen zu wirken? Vor allem die ländlichen Kommunen müssen jetzt aktiv werden: Es dürfen nicht ständig neue, günstige Baugebiete ausgewiesen werden. Stattdessen sollten die Kommunen sich mehr um die Attraktivität ihrer Ortschaften kümmern. Aber auch die Städte müssen etwas tun: Bisher brachliegende Flächen sollten für den Wohnungsbau aktiviert werden.

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