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Wohnungsnot in Großstädten – Häuserüberfluss auf dem Land
Veröffentlicht am 20.06.2017 |  Kommentare

In einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) stellen Experten den immensen Unterschied zwischen Bautätigkeit und Baubedarf in deutschen Landkreisen dar.

Was ist das Ergebnis der IW-Studie?

Während es in Großstädten wie Köln, Frankfurt oder München erheblich an Wohnungen mangelt, werden auf dem Land viel zu viele Wohneinheiten gebaut, insbesondere Einfamilienhäuser. Zwischen 2011 und 2015 seinen in etwa 20% mehr Wohnungen auf dem Land entstanden als nötig.

Beispiel: Emsland & Waldeck-Frankenberg

Als exemplarisches Beispiel dient der niedersächsische Landkreis Emsland: dort sind demnach mehr als 1060 Wohnungen mehr gebaut worden, als aufgrund der demografischen Entwicklung und längst bestehenden Leerständen notwendig gewesen wären. Auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg bei Marburg wurde am Bedarf vorbeigebaut. Gefehlt haben nach IW-Einschätzung einzig sieben neue Wohnungen. Gebaut wurden jedoch circa 200.

Kontrast: Stadt – Land

In Großstädten ist das Gegenteil der Fall: insbesondere in Städten wie z.B. München sind Wohnungen überteuert und heiß begehrt, gerade an diesen Orten sollte die Bautätigkeit über dem Bedarf liegen. Die Analyse jedoch zeigt: Im Zeitraum von 2011 bis 2015 wurden in Deutschlands sieben größten Städten nur 32 Prozent der benötigten Wohneinheiten gebaut. Das heißt, dass in diesen Städten nun umgerechnet insgesamt 60.000 Wohnungen fehlen.

Warum herrscht diese negative Differenz zwischen Land- und Stadtbau?

Die Ursachen sind vielfältig: Neben der Erschwinglichkeit von Einfamilienhäusern und der Niedrigzinsen, kommt hinzu, dass auf dem Land reichlich Neubaugebiet vorhanden ist. Außerdem versuchen nach wie vor viele Bürgermeister durch Bauland neue Einwohner anzuziehen. Allerdings raten Experten sich eher darauf zu konzentrieren Kommunen attraktiver zu gestalten, denn vor allem die Jungen ziehen angesichts des besseren Jobangebots und erweiterten Infrastruktur in größere Städte.

Was sind die möglichen Folgen und welche Lösungen gibt es?

Mögliche Folgen sind steigende Zahlen der leerstehenden Häuser, Infrastrukturkosten, Zersiedlung und die Verödung der Dorfzentren. Bereits jetzt liegen nach Einschätzung der Experten in ländlichen Regionen Deutschlands circa zwei Millionen Wohnungen leer – davon fast eine Million in Ostdeutschland. IW-Experten fordern: Ortskerne beliebter gestalten, Neubauten auf dem Land einschränken und wenn Neubau, dann nur bei Abbau von Leerstand.

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